Das Scheitern von Kopenhagen

Die Ansprüche und Erwartungen waren hoch. Nach einer chaotischen und hektischen letzten Verhandlungsnacht war die Enttäuschung dafür umso größer. Das Abschlusspapier „Coppenhagen Accord" ist weder ein bindendes Abkommen, noch wurde überhaupt irgend etwas beschlossen. Versagt und verloren haben dabei fast alle, profitiert nur jene, die ein verbindliches Abkommen ablehnten.
Glaubt man dem Artikel auf Welt.de, kam das laue Kompromisspapier noch nicht mal auf halbwegs demokratischen Wege zustande, sondern wurde von einem überaus genervten Barak Obama in einer Adhoc-Sitzung mit seinen Amtskollegen aus China, Indien und Südafrika ausgehandelt. Etwas anders, aber nicht weniger dramatisch wird der Verlauf in einer DPA-Meldung bei Zeit-Online beschrieben
Auf der Agenda mancher Staatschefs scheint Kopenhagen eben nur ein weiterer Termin zwischen aufreibenden innenpolitischen Entscheidungen und dem lang ersehnten Weihnachtsurlaub zu sein. Möglichst nicht zu lange und Hauptsache ganz schnell wieder weg. Dabei hatte Deutschlands „Klimabotschafterin" Merkel wohl durchaus ihren „Spaß" an den Verhandlungen und hat es als „intellektuelle Herausforderung" empfunden, wie sie bei einer Pressekonferenz kurz vor ihrem Abflug am Flughafen freimütig zugab.
Herausgekommen ist ein Kompromiss der nichts beschließt und lediglich das politische Bekenntnis zum Klimaschutz und die Anerkennung des 2-Grad-Ziels enthält. Allerdings ohne dabei konkreten Reduktionsziele und konkreten Zusagen an Hilfszahlungen für Entwicklungsländer zu nennen. Mehr zum Copenhagen Accord bei tagesschau.de
Auf der Strecke blieben dabei nicht nur jene Staaten, die von der Erderwärmung und steigenden Wasserspuiegel unmittelbar bedroht sind, sondern auch die EU, die mit ihren Klimaschutzzusagen und dem Willen eine Führungsrolle bei den Verhandlungen zu übernehmen gescheitert ist. China gilt zu den wenigen, die zumindest politisch profitiert und ihre Position gestärkt haben. Zwar wurde eine relative Reduktion von 40 bis 45 Prozent gemessen am Bruttosozialprodukt zugesagt, verbindliche Zusagen und internationale Kontrollen wurden aber abgelehnt wie Spiegel-Online berichtet.
Entscheidend mitgewirkt am unmotivierten Abschluss des Klimagipfels haben also jene die zu den größten CO2-Verursachern gehören. Wirklich entschieden wurde dabei nichts. Womöglich ist kein Abkommen aber auch besser, als eines, das auf einer solchen Basis entstanden ist. Zumindest vorerst, schließlich ist es noch nicht zu spät.
Sebastian Dresher

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