
Wir sind mittendrin in der Zeit der Freiluftkonzerte und Sommerfestivals. Tausende Musikfans strömen zu den Open-Air-Veranstaltungen und lassen Berge aus Müll, hohe Stromrechnungen und eine miserable Klimabilanz zurück. Wie Veranstalter und Besucher zu einem grüneren Konzerterlebnis beitragen können, zeigen verschiedene Initiativen und Festivals. Unter anderem auch das Zelt-Musik-Festival in Freiburg.
Der durchschnittliche Festivalbesucher fährt vermutlich mit dem eigenen Auto zum Ort des Geschehens, isst dort Essen von Papptellern, trinkt Bier aus Plastikbechern, nutzt die berüchtigten Dixie-Toilleten - und verbraucht bei all dem jede Menge Energie. Laut einer Studie der Universität Oxford [1] kommen pro Festivalbesucher 25 Kilogramm CO2 zusammen, bei einem normalen Konzertbesuch sind es lediglich fünf Kilogramm CO2. Rund 40 Prozent der gesamten Emissionen werden bei der Anfahrt zu den Festivals ausgestoßen. Insgesamt war die gesamte britische Musikindustrie 207 für den Ausstoß von rund 540 000 Tonnen CO2 verantwortlich. Das entspricht ungefähr der jährlichen Emission von 180 000 PKWs. Diese Emissionen zu reduzieren ist Ziel der „Green Music Initiative", die von verschiedenen Wissenschaftlern und NGOs beraten wird. Eines der bisher größten Projekte war die Zusammenarbeit mit dem Melt!-Festival, das am vergangenen Wochenende über die Bühnen des Bergbaufreiluftmuseums östlich von Dessau ging. Besucher konnten beispielsweise mit einem Sonderzug bis auf das Festivalgelände fahren der dort zum Hotel umfunktioniert wurde. Zudem wurden verstärkt klima-freundliche Speisen angeboten und Konzepte zur Müllverminderung umgesetzt.
Auf dem Weg zu einem grüneren ZMF
Auch das Freiburger Zelt-Musik-Festival punktet vor allem in Sachen klimafreundliche Anfahrt. Erstmals sind dieses Jahr die wichtigsten Radrouten zum ZMF ausgeschildert. Vor Ort können Besucher ihre Räder unbesorgt an modernen Abstellbügeln abstellen, außerdem passen echte Bodyguards auf die Drahtesel auf. Wer nicht radeln will, kann problemlos auf den Öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Konzerttickets gelten als Fahrkarte für den Schuttlebus und im kompletten VAG-Verkehrsnetz. (gültig ab drei Stunden vor Konzertbeginn) Anfahrt zum ZMF
[2]
Interaktives Fahrrad-Musik-Festival
Wirklich konsequent umgesetzt wird der Gedanke einer klimafreundlichen Livekultur von einer Gruppe US-amerikanischer Musiker. Die befinden sich gerade auf einer ausgedehnten Europatour. Unterwegs sind sie nicht mit einem luxuriösen Tourbus, sondern mit dem Fahrrad. Und auch der Strom für die Verstärkung der Instrumente ist klimafreundlich: Die Fahrräder werden einfach an selbst-gebaute Generatoren angeschlossen. Strampeln dürfen dann die Zuschauer. Die "Pleasent Revolution" (angenehme Revolution) ist derzeit irgendwo zwischen Berlin und München unterwegs. Freiburg liegt leider nicht auf der Route, an hilfsbereiten Zuschauern und Stromproduzenten hätte es hier wohl kaum gefehlt.
Wie man als Festivalbesucher seine eigene Klimabilanz verbessern kann, steht im faltbaren Rock'n'Roll-Klima-Guide [3] von co2-online
Verweise:
[1] http://iopscience.iop.org/1748-9326/5/1/014019
[2] http://www.zmf.de/de/info/anfahrt.html
[3] http://www.klima-sucht-schutz.de/fileadmin/ksk/Bilder/Klimaklicker/MELT/100713_Festival_Guide_Klimaklicker_print.pdf